Einladung zum Theaterabend am Bergstraßen-Gymnasium
Ein „STÜCK aus dem Leben“ wird von gut 40 Akteuren auf die Bühne gebracht
Bernd Marbach heiratet die zwanzig Jahre jüngere Susanne Fried. Die drei Kinder Bernds aus seiner ersten Ehe sehen Susanne – aus verschiedenen Gründen – als Eindringling, was sie sie auch spüren lassen. Alice, 21 Jahre, Studentin, wohnt im Elternhaus und hat sich nach der Scheidung von Bernd und seiner ersten Frau angewöhnt, die Rolle der Hausherrin auszufüllen. Emily, 17 Jahre, Schülerin, ist völlig auf den Vater fixiert und sieht folglich in Susanne eine Konkurrentin bis Nebenbuhlerin. Jörn, 24 Jahre, Student, hat seine eigene Wohnung und kommt nur manchmal in sein Elternhaus, zumeist dann, wenn er etwas will oder braucht.
Diese Konstellation bildet die Basis für ein Schauspiel, in dem die Charaktere fein differenzierend entwickelt werden, wobei sich im Zuge der Handlung allmählich die zentrale Figur des Stücks herauskristallisiert. Es ist die siebzehnjährige Emily, die als Nesthäkchen immer eine besondere Position in der Familie eingenommen hat. Aufgrund der frühen Trennung der Eltern ist sie stets vom Vater geschont und behütet worden. Dies hat sie nach Ansicht der Geschwister zu einer Egozentrikerin gemacht, die nicht bereit ist, sich mit den veränderten Verhältnissen zu arrangieren:
Alice: „Was heißt da rankommen? Ich will gar nicht mehr rankommen, ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich mal nicht auf Emily Rücksicht genommen hätte. Das ist uns doch geradezu von Papa eingeimpft worden. „Nimm Rücksicht, sie ist ja noch so klein“, „Nimm Rücksicht, das mit Mama hat sie so schwer getroffen“, „Nimm Rücksicht, sie ist ja so …““
Als ewig missverstandene Heulsuse, die sich wichtig tun will, sehen die Gleichaltrigen aus Emilys schulischem Umfeld sie.
Doch was geht wirklich in Emily vor? Was vollzieht sich in ihrem Inneren nach der Heirat des Vaters und dessen schwerer Erkrankung, die für die Familie zu einer zerrüttenden Belastung wird, sodass keiner bemerkt, wie Emily den Boden unter den Füßen verliert?
Die Zeit- und Handlungsstruktur des Stücks ist dem Zuschauer eher vom Film als vom Theater her vertraut. Drei Säulen der Gegenwart, die am Anfang, in der Mitte und am Schluss platziert sind, bilden den Rahmen. Dazwischen liegt der wesentlich größere Teil, das inhaltlich ganz Subtile, das durch die Technik der Rückblende vermittelt wird. Unmittelbare und zugleich gebrochene Innensicht wird durch innovativen Einsatz chorischer Elemente und eines kleinen ‚Theaters im Theater‘ erreicht, Spannung und Distanzierung verschmelzen miteinander, ohne dass es eines epischen Kommentators bedürfe. Modernes Theater zeigt sich von seiner interessantesten und anspruchsvollsten Seite.
Die Autoren Marianne Pabst-Compart und Christoph Lauer haben das „STÜCK aus dem Leben“, gegliedert in sechzehn Bildern, eigens für die Theaterkurse und die Theater-AG des Bergstraßen-Gymnasiums geschrieben und führen auch Regie bei der Inszenierung ihres Erstlingswerkes. In der Konzeption wurde Raum für zwei Szenen aus dem Jugendbereich angelegt, die die beiden Theaterkurse der Schule mit authentischen Dialogen aus der Jugendszene gefüllt haben.
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