Insgesamt 25 Schülerinnen und Schüler der vierstündigen Biologie-Kurse der Kursstufe 2 sowie zwei Schüler der 10. Klasse nahmen freiwillig an einer Exkursion in das größte deutsche Schülerlabor „XLAB“ in Göttingen teil. Dort wurden in zwei Gruppen jeweils der Kurs zu Anatomie (Aufbau) des Gehirns und der Kurs zu Versuchen an schwachelektrischen Fischen besucht. Die Gruppe der bilingualen Schüler führte dabei die Kurse in englischer Sprache durch.
Der Kurs zur Anatomie des Gehirns begann mit einer Wiederholung der biologischen Grundlagen des menschlichen Nervensystems, etwa dem Aufbau und den Funktionen einer Nervenzelle. Dieser erste Theorieteil war jedoch keineswegs nur auf trockene Information beschränkt - dem Kursleiter Dr. Joachim Rosenbusch, Dozent für Anatomie und Embryologie, gelang es durch konstante Einbindung der Schüler und ihrer Vorkenntnisse sowie zahlreiche Anekdoten aus dem Universitätsalltag und der Medizin eine große Menge Wissen zu vermitteln und bei den Schülern Enthusiasmus für das Thema zu wecken.
Nach einem weiteren Kontakt mit dem Universitätsleben, dem Mittagessen in der Mensa, ging es mit dem 2. Teil des Kurses weiter: der Sezierung, also Zerlegung zu Anschauungszwecken, von Schweinsköpfen; diese entsprechen größtenteils der menschlichen Anatomie. Hierbei konnten die Schüler in Zweiergruppen grundlegende Kenntnisse in Anatomie, Physiologie (Lehre der Funktionen des lebenden Organismus und seiner Teile) und Medizin erlangen und den fachgerechten Umgang mit Pinzette und Skalpell erlernen und ausprobieren. Seziert wurden dabei unter anderem Gesichtsnerven, Sehbahn und Gehörgang der Schweine; auch hierbei gab es eine große Fülle an neuen Erkenntnissen und Zusammenhängen.
Der zweite Kurs wurde währenddessen von Frau Dr. Barbara Ritter betreut, einer Biochemikerin, die den Schülern an diesem Tag einen Zugang in die Welt der Neurophysiologie bot. Dafür wurde zunächst das Membranpotential wiederholt, welches die Schüler zuvor in der Schule durchgenommen hatten. Durch anschauliche Tafelbilder, originelle Eselsbrücken und eine sehr verständliche Erklärung begeisterte auch sie die Schülerinnen und Schüler für das Thema, die so dem anspruchsvollen Stoff gut folgen konnten. Kurz vor dem Mittagessen in der Nordmensa waren die Schülerinnen und Schüler dann für den folgenden praktischen Teil gut vorbereitet. Nachdem sie sich am Oszilloskop in Zweiergruppen eingearbeitet hatten, konnten sie mit dem spannenden Teil - den Experimenten - starten. Erforscht wurde das magnetische Feld des Elefantenrüsselfisches (Gnathonemus petersii). Dieser Fisch sendet elektrische Signale aus, um seine Umgebung wahrzunehmen.
Nach dem Essen in der Mensa wurde noch das Verhalten der Elefantenrüsselfische auf Reize untersucht: Dabei führten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Reize in die Nähe des Fisches, wie beispielsweise Futter, warmes Wasser oder einen magnetischen Leiter sowie einen Isolator (Nichtleiter). Ihre Beobachtungen zeigten, dass die Fische sowohl stark auf das Futter reagierten als auch auf den Leiter, unbeeindruckt blieben diese allerdings von Nichtleiter und Wasser. Nach einer kurzen Zusammenfassung in der Gruppe wurden die verschiedenen Ergebnisse verglichen und analysiert.
Die Exkursion erwies sich vor allem insofern als äußerst sinnvoll, als Wissen fächerübergreifend verbunden und viele Zusammenhänge verdeutlicht wurden; ebenso wertvoll waren natürlich die Praxiserfahrung und der Kontakt mit dem Universitätsalltag.
Die Resonanz der SchülerInnen war durchweg sehr positiv: die außergewöhnlichen Erlebnisse, das erworbene Wissen und nicht zuletzt natürlich auch die gemeinsam verbrachte Zeit sind für alle von enormem Wert. Außerdem hat dieses Projekt sicher auch einige SchülerInnen in ihrer Studien- und Berufswahl weitergebracht oder bekräftigt, ebenso sind die erhaltenen Teilnahmebescheinigungen für etwaige Bewerbungen zu Studium u.Ä. mit Sicherheit sehr hilfreich.
Zu verdanken ist diese einmalige Erfahrung allen voran Frau Dr. Frambach, die diese Exkursion ermöglichte und die Fahrt organisierte sowie Frau Wagner, die sie begleitete und unterstützte. Daneben gilt der Dank insbesondere auch dem Förderverein des Bergstraßen-Gymnasiums, der großzügigerweise die Teilnahmebeiträge für die beiden Kurse komplett übernahm und die Kosten für die teilnehmenden Schüler so erheblich reduzierte.
Nicht zuletzt wollen wir uns auch bei der Schulleitung und dem Lehrerkollegium bedanken, die durch ihr Einverständnis eine entscheidende Voraussetzung für diese besondere Aktivität schufen.
weitere Informationen zum XLAB unter:
http://www.xlab-goettingen.de/
Text von Franziska Reusch und David Streit
