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Junge Bücherbegeisterte im Wettstreit
Finale des Vorlesewettbewerbsam Bergstraßen-Gymnasium
Abzutauchen in Welten, die in ihrer Verschiedenheit und Tiefe unerschöpflich sind wie das Meer, um dort Abenteuer, Gefühle und den Kitzel willkommener Gefahr zu erleben – in diesen phantastischen Tiefen vollends zu versinken, die eine oder andere Kostbarkeit zu bergen, das ermöglicht einzig die Literatur, die Welt der Bücher. In diesem Sinne ist wohl das diesjährige Poster des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zu interpretieren, das in den letzten Wochen in seiner Ozeanbläue die Klassenzimmer der Sechstklässler schmückte.
Der alljährlich stattfindende Vorlesewettbewerb hat sich als Ziel gesetzt, Schülern der Klassenstufe 6 in ganz Deutschland einen Anreiz zu bieten, sich öfters Büchern zuzuwenden.
Dass die Sechstklässler für diese Form der Leseförderung zu begeistern sind, zeigte sich am vergangenen Freitag, dem 04.12.09, am Bergstraßen-Gymnasium in Hemsbach, als es wieder einmal so weit war, dass sich die Sieger der im Vorfeld abgelaufenen Klassenentscheide zum großen Finale versammelten, um den Begabtesten in der Kunst des Vorlesens zu ermitteln. Die vier Finalisten Christian Essinger (6a), Viola Bamberger (6b), Jan Wilkening (6c) und Elina Schöller (6d) stellten sich der Bewertung durch eine sachverständige fünfköpfige Jury, bestehend aus drei Lehrern und zwei Schülerinnen der Jahrgangsstufe 13. Ehrenvorsitzender der Jury war Helmut Schmitt, der jahrelang mit großem Spaß die Kommission geleitet hatte und nun trotz Pensionierung zu diesem Ereignis auch tatsächlich erschienen war.
Die erste Phase des Wettstreits bestand im Präsentieren eines vorbereiteten Textausschnitts. Bücher aus ganz verschiedenen Gattungen der Jugendliteratur waren für diesen Part gewählt worden und bekundeten, was Kinder dieser Altersgruppe so anspricht: Fantasyliteratur, Detektivromane, aber auch Familiengeschichten, jedenfalls immer etwas, in dem man sich selbst in seinen Wünschen, Vorstellungen und Träumen wiederfindet, aber etwas spannender, gefährlicher oder auch lustiger soll es zugehen als im eigenen Alltag. Da die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld zu Hause fleißig geübt hatten, konnten alle Teilnehmer durchweg brillieren.
Der zweite Teil gestaltete sich dann deutlich schwieriger. Nun sahen sich die Kontrahenten mit einem ihnen gänzlich unbekannten Text konfrontiert, den der Organisator Michael Müller-Kohlmüller ausgesucht hatte. „Bonifaz und der Räuber Knapp“ von Josef Holup verlangte den Vorlesern durch anspruchsvolleres Vokabular sowie komplexere Satzstrukturen einiges ab. Angespornt durch die Klassenkameraden, die sogar Plakate vorbereitet hatten, auf denen der Name ihres Favoriten zu lesen war, nahm das Quartett auch diese Hürde mit Bravour, wofür es vom Publikum mit tosendem Applaus gewürdigt wurde.
Aufgrund des insgesamt hohen Leistungsniveaus muss es der Jury denkbar schwer gefallen sein, die feinen Unterschiede in Bezug auf Lesetechnik, Textgestaltung und Textverständnis auszumachen. Mit einem winzigen Vorsprung stand dann jedoch die Siegerin fest: Elina Schöller hatte die höchste Punktzahl erreicht. Sie wird Ende Januar das Bergstraßen-Gymnasium beim Kreisausscheid vertreten und hoffentlich wieder viele begeisterte Zuhörer mit auf die Reise in die Welt der Literatur nehmen können. Die gesamte Schüler- und Lehrerschaft des Bergstraßen-Gymnasiums Hemsbach wünscht ihr dabei viel Erfolg.
In dem an den Vorlesewettbewerb anschließenden Gespräch verriet die Siegerin Elina Schöller aus der Klasse 6d den beiden Schülern aus dem Presseteam nicht nur Details über ihre persönliche Art der Vorbereitung auf den Wettbewerb, sondern gewährte auch emotionalen Einblick:
Wie hast du dich vor dem Wettbewerb gefühlt?
„Ich war sehr aufgeregt und nervös. Vor allem aber hatte ich Angst, mich beim Lesen zu versprechen.”
Haben dich die Zurufe deiner Klassenkameraden eher verunsichert oder angespornt?
„Am Anfang haben die vielen Stimmen meine Aufregung noch verstärkt, aber als ich mich daran gewöhnt hatte, hat es mir geholfen und mich ermutigt.“
Wie hast du die Wahl deiner Textstelle aus dem Jugendroman „Das muss unser Glückstag sein” getroffen?
„Erst habe ich die Handlung zusammengefasst. Danach habe ich die Stelle ausgewählt, die mir am besten gefallen hat, weil sie auch etwas lustig ist.”
Wie hast du dich insgesamt auf den Wettbewerb vorbereitet?
„Ich habe den Text öfter mal leise, mal laut gelesen. Auf die Betonungen und die Stimmung habe ich dabei besonders geachtet.”
Hat dir das Lesen der unbekannten Textstelle Schwierigkeiten bereitet?
„Ja, es war schon etwas schwierig. Die fremden Wörter kamen immer sehr überraschend.
Das Vorlesen meines eigenen Textes war einfacher, auf den hatte ich mich ja auch vorbereiten können.”
Hast du für die nächste Runde des Wettbewerbs schon ein bestimmtes Buch zum Vorlesen ins Auge gefasst?
„Nein, ich habe mir noch keines ausgesucht.”