"Ich weiß nicht, ob ihr´s vergessen habt, aber ihr könnt laufen." So gefesselt waren die Schüler am Hemsbacher Bergstraßen-Gymnasium gestern von ihren fahrbaren Untersätzen, dass sie in den Sportrollstühlen dem Basketball hinterher jagten, wenn der ins Aus gerollt war - obwohl es zu Fuß schneller gegangen wäre. Marco Hopp, gelang es, die Jungs der achten Klasse von Sportlehrer Tobias Erles voll und ganz für Rollstuhl-Basketball einzunehmen.
|
Unter dem Motto "Behindertensport macht Schule", hatte der Badische Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) in Zusammenarbeit mit Tobias Erles am Donnerstag den Jugendnationaltrainer für Rollstuhlbasketball in den Sportunterricht ans Hemsbacher Gymnasium geholt. Mit von der Partie waren neben der Koordinatorin Annelore Palmer vom Badischen Behinderten- und Rehabilitationsverband (BBS), BBS-Sportreferent Holger Kimmig sowie BBS-Vizepräsident Erich Launer. Eugen Schmid hatte nicht nur die 13 Sportrollstühle zur Verfügung gestellt, sondern spielt auch Rollstuhlbasketball - obwohl er selbst "Fußgänger" ist.
Die wendigen Flitzer haben es aber auch in sich. Der Alltagsrollstuhl, erklärte Marco Hopp, "ist für mich, was für euch die Hausschuhe sind." Der Sportrollstuhl hingegen sei ein individuell angepasstes Sportgerät. Die Räder, das hatten die Schüler richtig bemerkt, sind bei diesem schräg gestellt. Durch den "negativen Sturz" ist der Rollstuhl wendiger, standsicherer und es entsteht ein Sicherheitsabstand, damit keine Hände zwischen zusammenstoßende Stahlgestänge geraten. Was die Stoßstange des PKW, ist der Abweisbügel dieses Sportgeräts. Kipprollen verleihen ihm zusätzlich Stabilität.
|
Rollstuhl-Basketball, erklärte der Trainer, der mit diesem Sport 1996 anfing, vereine zwei Sportarten: Fahren und Basketball. Die Abmessungen des Spielfeldes, die Korbhöhe sind dabei die selben wie beim Basketball. Auch die Regeln sind gleich. Bis auf die Schrittregel: Entweder durchtrippeln oder Ball auf den Schoß, zweimal ziehen, einmal trippeln und Pass, beziehungsweise Wurf. Das ist gar nicht so einfach, insbesondere, wenn zunächst erst einmal das richtige Rollstuhlfahren im Schnelldurchlauf erlernt werden musste. Doch mit Übungen wie Prell- Prell-Halten auf den Takt von "We Will Rock You" lernten die Schüler das Spiel wie von selbst und waren Feuer und Flamme, als es dann endlich richtig los ging. Mit Ehrgeiz und mächtig guter Laune waren sie dabei. Trotz kleinerer, unkoordinierter Zusammenstöße und Rollstuhlstaus um den Korb herum, entwickelte sich ein dynamisches und actionreiches Spiel. Groß war der Jubel, als der erste Korb geworfen wurde.
Bei der Rollstuhl-Basketball-Schulstunde handelt es sich um ein Pilotprojekt, wie Annelore Palmer erklärte. Das Bergstraßen-Gymnasium gehöre zu den ersten Schulen, an denen sie eine Behindertensportstunde anböten. Die Schulen können dabei zwischen Blindentorball, Rollstuhl-Rugby oder -Basketball wählen. Der Verband plane, das Projekt auszubauen, um es künftig an allen Schulen mit Interesse anbieten zu können. Das Ziel von Aktionen wie diesen sei es, so Holger Kimmig, Berührungsängste gegenüber dem Behindertensport und im Umgang mit behinderten Menschen abzubauen.
Videos zum Download:


